So vergeht die Zeit

Sie warteten an der Ecke auf ihn und froren trotz Juli. Denn der Wind blies stark aus West über den Deich und die Sonne hatte sich hinter dicken Regenwolken versteckt, die im Moment zumindest dicht hielten.

Zwölf Personen in fortgeschrittenem Alter, gekleidet in Rentnerfarben, unauffällig und praktisch. Sie warteten schon seit 10 Minuten und wurden so langsam ungeduldig. „Weißt du um was es geht“ fragte eine Frau ihren Nachbarn. „Nein, nicht wirklich“ und in die Runde „wisst ihr um was es geht?“ „Nein“ war die eindeutige Antwort „aber wir können uns ja schon mal darüber Gedanken machen und darüber reden, bis er kommt“ sagte der Anführer der Gruppe.

Dann schwirrten Vermutungen durch die Luft, Argumente prallten gegeneinander, Meinungen wurden ins Getümmel geworfen, die verbale Schlacht war eröffnet. „Wir sollten vielleicht mal nach dem Alten sehen. Der wollte schon vor einer halben Stunde hier sein. Vielleicht hat er unsere Verabredung vergessen.“

Drei Männer marschierten auf den linken Eingang des Wohnblocks zu, an dessen Rasenkante sie bis jetzt gewartet hatten. Die Haustüre war offen. Wohl wegen der im Hausflur angeordneten Briefkästen. Sie gingen 48 Stufen hoch und klingelten an der mittleren Tür, die ohne Namensschild war. Alles blieb still. Sie klingelten erneut. Keine Reaktion. Sie klopften an die Tür. Alles blieb still. Ratlos sahen sich die Drei an. Einer holte sein Mobiltelefon aus der Tasche und wählte eine Nummer. In der Wohnung hinter der verschlossenen Tür, vor der sie standen, klingelte es. Aber niemand hob ab.

Sie klopften erneut gegen die Tür. Von innen wurde ein Schlüssel umgedreht, die Tür öffnete sich einen Spalt weit und ein vollbärtiger Kopf erschien: „Ach, sind wir heute verabredet“ fragte der Kopf und blinzelte mit seinen schmalen Augen erstaunt „ich hab‘ geschlafen.“ „Ja, heute ist das. Na dann zieh dich mal an und komm‘ runter“ sagten die drei und gingen zurück zu den anderen.

„Und, ist was passiert“ wurden sie erwartungsvoll begrüßt. „Ja, er hat verschlafen.“ „Ach so, na dann ist ja alles in Ordnung“ sagten sie und warteten weiter vor dem Haus am Rande der Rasenkante.

Frisörbesuch

Mann mit kinnlangen Haaren setzt sich in den Frisörstuhl: „Da hinten ein bißchen schneiden und an den Seiten. Und hier vorne auch.“

„Also nur die Spitzen.“ „Nein ….. Meinen Sie? Vielleicht doch ein bißchen mehr.“ „Ich mach das so, wie Sie es wollen.“ „Wie würden Sie es denn wollen? Ach, machen Sie einfach mal.“

Am Ende betrachtet er sich von allen Seiten im Spiegel:“Ja, sieht gut aus. Oder doch vielleicht lieber ein bißchen kürzer?“

Kommentar von Frau zu Frau: „Auch Männer können beim Frisör ganz schön kompliziert sein!“ 🙂

RealSurReal

Eigentlich wollte ich vom Park aus über die breite, zum Eingang führende Treppe das Max-Ernst-Museum in Brühl betreten, um mir die Ausstellung RealSurReal anzuschauen.

Real war ein gleich auf der ersten Stufe erlebter Sturz zurück auf die Wiese.

SurReal war das dabei in meinem Kopf entstandene Bild von meinem Körper: KEGEL an einer Strippe und mit einer Kugel alle Neune erwischt. Beim aufrichten tanzen die Kegel und die Strippen verheddern sich. Jemand muss die Schnüre von Hand entwirren, damit sich die Kegel wieder frei bewegen können.

Etwas benommen lag/sass ich da in meinem leuchtendgrünen Mantel auf grüner Wiese und überlegte, wie ich mich mit diesen verdrehten Füßen, Beinen, Armen ohne Hilfe wieder in die Senkrechte bewegen sollte.

Es gelang mir, ich stand ein wenig unsicher auf meinen Füssen und war überrascht, keinen Flecken auf meiner Kleidung zu entdecken, obwohl der Untergrund regennass war.

Mit surrealen Gefühlen betrat ich die Ausstellungshalle, löste eine Eintrittskarte, liess mich fotografieren und in surrealer Weise in ein Bild einarbeiten und merkte, dass mein Atem gepresst war und meine Füsse sich anfühlten, als hätten sie ein zu großes Gewicht zu tragen.

Nach einem etwas beschwerlichen Gang durch die Säle und Stockwerke war ich dankbar, dass alles offenbar gimpflich abgelaufen war und fuhr nach Hause. Dort kühlte und salbte ich meine schmerzenden Glieder, besänftigte die Schmerzen mit 2 Aspirin direkt und genoss einen entspannten Abend mit hoch gelegten Beinen, Rotwein, Salamisticks & dem SonntagsTatort aus Dortmund, der mir ausnahmsweise mal richtig gut gefallen hat. Offenbar passte er perfekt zu meinem RealSurRealen Tag 🙂

Interpretation

Sie waren verabredet, wollten Sonntagabend in einem Club das Wochenende ausklingen lassen. Mittags meldete sich bei ihr eine Erkältung mit Kopf- und Gliederschmerzen. Sie rief ihn an: Wir können uns treffen und zu Hause chillen, aber Club ist mir zuviel. Er war sauer. Nein, nicht zu Hause – entweder Club oder gar nicht. Sie trafen sich nicht.

Einige Zeit später waren sie locker verabredet, sich mittwochs abends bei ihm zu Hause zu treffen. Konkret wollten sie das jedoch erst an dem Tag absprechen.

Montags hatte er Halsschmerzen. Mittwochs sagte er ihr per eMail ab wegen Magen-Darm-Problem.

„Boah, wie gemein“ schrieb sie ihm zurück und wünschte ihm gute Genesung. „Wieso gemein, das war doch so verabredet“ schrieb er zurück.

Sie lachte aus vollem Hals und rief ihn an: „Wieso verabredet: Wußtest du bereits vorher, dass du Magen-Darm-Probleme bekommst?“ „Ach so hast du das gemeint“, war seine Reaktion. Er hatte das „Boah, wie gemein“ so interpretiert, dass sie wegen seiner Absage sauer wäre. Wir reagieren halt immer auf das, was wir „erwarten“ und was an Gedanken in unserem Kopf ist 🙂

Alles Kleinigkeiten

Es sind immer die kleinen Dinge, die wir unterschätzen, übersehen, abtun und die dann in der Summe Großes bewirken. Denn an die kleinen Dinge gewöhnen wir uns. “Das ist doch nicht so schlimm” sagen wir uns oder “Das macht mir nichts aus”. Und dann kommt das nächste Kleine und noch eins. Vielleicht schmerzen sie am Anfang, dann werden sie für uns normal bis selbstverständlich. Wir packen sie in unseren Lebens-Rucksack, den wir mit uns herumschleppen, sie geraten uns aus dem Sinn, aber sie beeinflussen uns weiterhin – auf unbewußter Ebene.

Und dann kann es sein, dass Sie eigentlich allen Grund haben glücklich und zufrieden zu sein und trotzdem das Gefühl „das kann doch nicht alles gewesen sein“. Oder dass Sie sich dauerhaft unmotiviert, unglücklich, energielos und müde fühlen. Oder Sie sich permanent über Ihren Job, Ihre Gesundheit, das Wetter, die Lage in der Welt ärgern. Oder sich ständig aufregen über mangelnden Respekt, Wertschätzung, Anerkennung, viele nervige Alltagssituationen, andere Menschen.

Spätestens wenn Sie an dem Punkt angekommen sind ist der richtige Zeitpunkt, für sich selbst einmal gnadenlos Klarheit zu schaffen, was sich alles in Ihrem Rucksack angesammelt hat und was davon sinnvollerweise drin bleiben sollte beziehungsweise überflüssig geworden ist. Um dann dem ganzen eine auf Ihre jetzige Situation zugeschnittene Struktur zu verpassen und Wege zu finden, Ihren Ballast abzuwerfen, ohne dabei andere zu verletzen.

Nach einer solchen Aktion fühlt sich Ihr Leben wieder leichter, vergnüglicher, motivierter an und Sie können voll Inspiration, Energie und Leistungsfähigkeit neue Ziele entdecken und realisieren und mit tiefer Zufriedenheit ein dynamisches Leben in Balance genießen.

Probieren Sie es aus – Unterstützung finden Sie hier.

Frieden im Wald

Wie ein lindgrünes, weichfließendes Tuch zeigen sich die frisch gesprießten Buchen, bilden eine Kulisse im Skulpturenpark Wuppertal: Leicht zittriges Wehen, davor Farbe & Form zu Skulptur im Sein erstarrt.

Unermüdliche Wipfelsänger wetteifern mit dem Blätterrauschen. Ein Hauch Winter läßt mich meinen Schal enger um den Hals legen. Allein in weitem Rund genieße ich die Grammatik des heutigen Tages.

Es riecht nach Holzkohle und der Regen klemmt fest in den Wolken über mir. Wenig ist hier an der unteren Ausstellungshalle zu hören vom Tal. Manchmal die Schwebebahn.

Eine ganz hervorragende Grüneteetarte mit roten Johannisbeeren habe ich im Café genossen, dazu einen Espresso. Meine Verweildauer in diesem Raum war allerdings kurz: Für mich persönlich ein unharmonisches Klima, das ich nicht an etwas Bestimmten festmachen kann, sondern einfach nur körperlich spürte mit dem Drang zu gehen.

Beeindruckt hat mich das Fat House von Erwin Wurm und seine Werke zur Ausstellung „Am I still a House ?“, die noch bis 12. Juli 2015 gezeigt wird.

Preview

Montagabend vor dem Kinosaal, wartend auf den Einlaß zu „Brenna tuat’s schon lang“ über Hubert von Goisern von Marcus H. Rosenmüller. Rundum Gespräche. Manche Sätze bringen mich zum Schmunzeln und finden Einlaß in mein Notizbuch:

„Verdammt, ich brauch‘ Finger für diese Scheißtasten!“ 🙂

„Das ist das Menü für 5 €: Wasser + Popcorn. Salzig. Oder willst du lieber süß? Soll ich es umtauschen“ …. während er bereits in die Tüte greift und sich den Mund stopft. „Ich mag kein Popcorn“. „Das hättest du mir vorher sagen sollen“. „Du hast mich nicht gefragt.“ 🙂

„Ich habe so richtig das Gefühl, ich bin bei einem Event dabei.“ 🙂

Was mir, wie schon so oft, auch an diesem Abend wieder auffiel, als vor der Filmaufführung eine Ansage gemacht werden mußte, weil sich etwas verändert hatte: Menschen, die ungern ein Mikrofon benutzen – nein, nicht Hubert von Goisern 🙂 – halten das Teil so weit weg von ihrem Mund, dass eine Sprachverstärkung fehl schlägt. Beissen Mikrofone eigentlich????? 🙂

Ansonsten: Für mich ein gelungener Abend mit einem wunderschön-poetischen, mir immer mal wieder Gänsehaut verursachenden, vergnüglichen Film über diesen Mann und seine Musik, die mir seit vielen Jahren mit all seinen Wandlungen gefällt.

Whisky & Männer

Am Sonntag war ich auf der Whisky Fair in Limburg. Es war meine erste Messe dieser Art und so viele Flaschen mit einer solchen Vielfalt an Whisky hatte ich bisher noch nicht erlebt. Wie diese Diversität managen? Ich ging das Ganze kreativ an, betrachtete die Namen und Flaschen mit dem Auge der Künstlerin und lies mich von Form, Farbe und Etikett inspirieren, welche Tropfen ich mir in mein Nosing-Glas einschenken ließ. Das war Genuß pur für alle Sinne 🙂

Neben Flaschen & Whisky beachtete ich die Menschen. Männer waren in der Mehrzahl, etliche trugen Kilt, manche ausgefallene Kleidung. Die Mehrheit war „normal-leger“ angezogen. Um den Hals ein Band, an dem ihr Nosing-Glas befestigt war. Auf dem Rücken einen Rucksack – die Handtasche des Mannes 🙂

Natürlich ist das ein sehr praktisches Utensil zum Tragen von Dingen, die nicht benötigt werden: Man(n) hat beide Hände frei.

Allerdings ist der Platz auf dem Rücken außerhalb der eigenen physischen und psychischen Reichweite: Lediglich der Hintermann (oder die Hinterfrau) können auf den Inhalt zugreifen und alles, was außerhalb der eigenen Blickweite liegt, wird leicht vergessen.

Da macht zum Beispiel der Rucksackträger eine schnelle Kehrwendung und räumt dabei die Theke ab. Oder es unterhalten sich drei Rucksackträger und bilden die Form eines Sechsecks.

Bei manchen Männern allerdings hatte ich den Eindruck, sie tragen den prall gefüllten Rucksack als Gegengewicht zu ihrem Bauch 🙂

Für mich war es ein inspirierend-vergnüglicher Tag 🙂

Neue Wege

Nicht Konjunktiv – man könnte, sollte, müsste – sondern Aufbruch, Umbruch, Entwicklung, neue Wege abseits der breiten Straße.

Auch schmale Pfade führen ans Ziel. Sicherlich langsamer. Aber dafür vielfältiger. Denn mit dem notgedrungen verringerten Tempo haben wir Zeit, rechts und links zu schauen, Dinge am Wegesrand zu entdecken und viele neue Ausblicke nach den Kurven.

Ganz persönliche Entdeckerpfade beschreite ich ab heute mit diesem Blog 🙂