Die Bedenken sind frei

Martinsmarkt bei strahlend-warmem Sonnenwetter. Unendlich viele Menschen sind auf den Beinen, bummeln über den mit Hütten und kulinarischen Ständen gesäumten Boulevard.

Die Gesichter jedoch erinnern mich manchmal an eine Zwangsveranstaltung, so lustlos bis missmutig schlendern viele durch den Sonntag; und einige beschweren sich lauthals, dass es viel zu warm ist für November.

Ein Stand mit Fußkissen in leuchtenden Farben entlockt Vorbeiziehenden ein fröhliches Lachen. Immer wieder machen sich Menschen gegenseitig auf diese praktische Kreation aufmerksam, ganz oft verbunden mit einem „was für eine schöne Idee“. Und viele lassen eine Hand oder beide in den kuscheligen Fußlöchern verschwinden, während ein Lächeln ihr Wohlbefinden anzeigt.

Aber dann ist auch schon Schluß mit lustig: Am Ende der haptischen Erkundung geht ihr Gesicht zurück in den Ausgangszustand und Bedenken artikulieren sich: „Schön sind die und so weich und warm! Aber was ist, wenn ich aufstehen muß? Dann falle ich hin!“

Falls die Person sich nicht selbst bedenklich äußert, ist garantiert eine Begleitung in ihrer Nähe, die genau das tut und behauptet, die Person würde ganz bestimmt hinfallen, wenn sie das Teil benutzt und aufstehen müßte. Einige besonders interessante Paardialoge: SIE sinngemäß „damit könnte ich mir gut meine Füsse wärmen.“ ER antwortet eine dieser Varianten:

  • „Dafür hast du mich, da brauchst du sowas doch nicht.“
  • „Kommt nicht in Frage! Wer soll mir denn dann mein Bier aus dem Kühlschrank holen?“
  • „Nein, damit fällst du nur hin, wenn du zum Klo mußt.“
  • „Und was ist, wenn es an der Tür klingelt oder das Telefon? So schnell kommst du doch gar nicht aus den Puschen raus!“

Nur einmal erlebte ich diese Mannerantwort: „Dann such dir doch eins aus und kauf es dir!“ Sie wählte strahlend aus der Vielfalt ein sommerbuntes Teil.

Für mich sind immer wieder zwei Dinge faszinierend:

  • Dass Menschen sich aus Angst vor einer vermeintlichen Gefahr von Freude und Wohlbefinden selbst abschneiden.
  • Dass Menschen wegen ihrer eigenen Bedenken andere dazu bringen, auf Freude und Wohlbefinden zu verzichten.

Angst – vor was und wie klein auch immer – knipst Freude aus: Kein Wunder, dass uns im Alltag so wenig strahlende Gesichter begegnen.

 

Rosamundetag

Ich liebe es, alleine in ein Café, Restaurant, eine Bar zu gehen. Und dann den Stimmen um mich herum zu lauschen, die sich in unterschiedlicher Lautstärke und Tonlage unterhalten.

Meistens lege ich gleich nach meiner Platzierung mein Notizbuch mit Schreibstift auf den Tisch, um schnell zu reagieren, wenn amüsante, skurrile oder wie auch immer geartete Sätze fallen.

So wie heute in einem Restaurant: Drei Tische vor mir sitzen ein Mann und zwei Frauen, ihrem eigenen Bekunden nach alle über 80 Jahre. Der Mann ist mit der Frau an seiner Seite seit über 50 Jahren verheiratet und ihnen gegenüber sitzt seine ehemalige Schulfreundin, die er bei diesem Essen zum ersten mal seit vielen Jahren wiedersieht.

Irgendwann unterhalten sie sich über ihre Fernsehgewohnheiten. Er liebt Krimis. Die Schulfreundin sagt „Das ist mir zu gruselig, dann kann ich nicht schlafen. Ich schau mir abends gerne Filme an mit schönen Landschaften, das beruhigt mich. So wie heute Abend im 2. Programm. Bei diesen schönen Häusern und Gärten aus England geht mir immer das Herz auf, obwohl man sich die Filme ja eigentlich nicht angucken kann, denn das sind ja Schnulzen hoch drei.“

„Ach Gott“, sagt die Ehefrau, „dass die Leute sich bei Rosamunde Pilcher immer herausreden, sie würden die Filme ja nur wegen der Landschaft gucken. Wie unehrlich ist das denn! Ich stehe dazu: Sonntag ist mein Rosamunde-Kitschtag. Mit Herz und Schmerz und heiler Welt. Ich brauch das und ich liebe das. Und dann kann ich doch wohl auch dazu stehen“ setzt sie mit herausforderndem Ton und leicht ansteigender Stimmlage hinzu.

Er mischt sich ein und fragt, ob die Damen noch einen Cappuccino trinken wollen. Darauf einigen sich dann alle und der Tag scheint gerettet 🙂

Halligblues 1/2

Es war einmal ein kleines Mädchen, das liebte Geschichten von fernen Ländern und fremden Menschen über alles. Aus dem Mädchen wurde eine Frau, die die Traumorte ihrer Kindheitsgeschichten entsprechend ihren Finanzen bereiste. So auch eine kleine Hallig, auf der sie sich herbstferienzeitlich mit ihrem zweitklässrigen Sohn in einer kleinen Pension einquartierte.

Überwiegend Stammgäste bewohnten die Pension und im Frühstücks-Aufenthalts-Abendessen-Raum trafen sich Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Republik, blieben tischweise auf Distanz.

Ihr erschien die Hallig wie ein Stück Friedenserde: Überschaubar, weitläufig, mit distanzlosem Horizont, stundenweise steinwurfnah erscheinenden Nachbarinseln, anderntags die nächste Warft Kilometer weit erscheinend entfernt, halb im Nebel entrückt. Und über allem ein unablässigwehender Oktobersturmwind…

Morgens nach dem Frühstück drehte sie ihre Runden gegen den Uhrzeigersinn. Ein beruhigendes Alleinsein immer vorwärts gehend und ohne auf den Weg zu achten immer irgendwann am Start-Ziel ankommend. Manchmal begleitete sie der Sohn ein Stück, nahm dann die Abkürzung über eine sternförmig zum Ausgangspunkt führende Straße zurück zum Fernseher der Pension oder ins benachbarte Restaurant zum Käsekuchen essen oder was ihm sonst in den Sinn kam.

Sie überließ ihn angstlos sich selbst: Autos gab es nur wenige auf der Hallig, verlaufen konnte er sich bei der Überschaubarkeit der Warften nicht und das Nordseewasser bildete eine natürliche Begrenzung. Die Priele rechts und links der Straße waren für ihn verlockend, reizten zum Überspringen. Nach der ersten Grenzfindung seiner Sprungweite im Priel, mit nassen Hosen und stinkendem Schlick in den Stiefeln, betrachtete er diese Straßengräben mit Abstand und blieb für den Rest des Aufenthaltes trocken.

Morgens saß sie im Frühstücks-Aufenthalts-Abendessen-Raum gesichtsgewendet zu ihrem Sohn, rückengedreht zum Nachbartisch mit Trio aus zwei Männern mit Frau, an dem eine wohltönende Bassstimme Geschichten erzählte: Witzig, phantasievoll und beifallerwartend laut. Seit Fährankunft am Samstag war ihr diese Stimme immer wieder eindringend begegnet. Es war nach dem Dienstagfrühstück, als die Frau sie fragte, ob sie Lust verspüre, ihr SpazierTrio auf ein Quartett zu erweitern. So ging sie, ungewohnt begleitet, nach dem Frühstück auf die Halligumwanderung. Diesmal im Uhrzeigersinn, was ihr eine neue Perspektive der Landschaft vermittelte.

Der unterschiedliche Rhythmus ihrer Schritte spaltete das Quartett bald in zwei Duos: Sie ging mit dem Bass voraus, ließ sich auf der nächsten Holzbank wartend vom PaarDuo überholen, das mit gemächlichem Schritt und wehendem Cape daherflanierte, setzte dann mit zügigem Wanderschritt die Runde fort, das Paar mit scherzenden Worten überschreitend, bis zum nächsten Halt auf einer Bank, im einzelnen Strandkorb.

Der Bass belustigte sie mit Erzählungen. Er hatte die seltene Gabe, aus jedem Erlebten eine spannende Geschichte zu formen, mit Phantasie auszuschmücken und sich zum Beispiel auszudenken, warum der Strandkorb noch immer auf dem Deich stand, obwohl die anderen doch schon lange abtransportiert waren.Sie hingegen betrachtete den einsamen Strandkorb einfach nur von der praktischen Seite: Natürlich stand er noch dort, um ihr und ihm Schutz vor dem Sturmwind zu bieten und Raum, sich näherzukommen.

In diesem Strandkorb nannten sie sich zum ersten Mal beim Vornamen und entdeckten ihre gemeinsame Liebe für Janosch’s „Oh wie schön ist Panama“, das sie mit ihrem Sohn schon viele Male gelesen hatte, ohne bis dahin einen kinderlosen Erwachsenen kennengelernt zu haben, der dieses Buch ebenfalls kannte und sogar liebte.

Vollends begeistert war sie, weil er sogar eine richtige Tigerente aus Holz und mit Rädern besass, die einen Ehrenplatz hatte in seiner Junggesellenwohnung. Die nahm er manchmal mit in seine Schule, in der er junge Erwachsene unterrichtete, die sich über den Besuch der Tigerente und die Geschichten ihres Lehrers freuten.

Sie spürte Wärme in sich aufsteigen und Zärtlichkeit und eine große Sehnsucht, sich an der breiten Schulter des Basses anzulehnen, ihren Alleinerziehendenalltag für ein paar Stunden zu vergessen und vor dem Schlafengehen von ihm eine Gute-Nacht-Geschichte zu hören, die sie sonst ihrem Sohn vorlas. Er schien es zu spüren, denn seine Bassstimme bekam einen warmen, weichen Klang und seine braunen Bärenaugen funkelten fröhlich.

Gesprächsweise stellten sie fest, dass sie alltags nur wenige Kilometer auseinander wohnten, freuten sich über ihre vielen Gemeinsamkeiten und rückten sich ein Stück näher. In der kleinen Halligkirche mit Sandfußboden und Steinen und Muscheln drauf saßen sie aneinandergelehnt in der Kirchenbank vor dem alten Holzaltar und freuten sich an ihrer aufkeimenden zarten Liebe.

Als die Herbstferienwoche zu Ende ging und jeder in seinen Alltag zurückkehrte, küßten sie sich zum Abschied auf dem Deich wie zwei Ertrinkende. Über ihnen schien die Sonne, lachten Möwen, kreischten Austernfischer – als Grammatik eines stürmischen Tages.

Halligblues 2/2

Sie trafen sich wieder in ihrem Alltag, liebten sich, feierten seinen runden Geburtstag in einer Straßenbahn fahrend quer durch seine Wohnortstadt und waren zwei Suchende: Sie in ihm den starken Partner, seine Schwäche übersehend. Er in ihr die bewundernde Zuhörerin seiner Geschichten, Sorgen, Alltagsnöte, ihren Kummer überhörend.

Sie glaubten, Liebe werde schon alles richten und versuchten, Unmögliches möglich zu machen, Nähe mit räumlicher Distanz zu wohnen, Liebe mit Raum und Vertrauen zu leben und waren glücklich.

Dann sehnten sie sich nach mehr Nähe, weniger Distanz. Er bezog ihr Haus, denn es bot genügend Platz für sie, den Bass und den Sohn und heirateten, weil er sich an ihrem Sohnesvaternamen störte, sie zu sich gehörend präsentieren wollte.

Beide glaubten, mit diesem Schritt seine Eifersucht auf den Sohn und den Sohnesvater entmachten und ihre Liebe zu ihm für ihn fühlbarer machen zu können. Sie lebten als Vaterbär, Mutterbärin und kleiner Tiger, mit Igeln im Garten und Muschka, der Katze und liebten Janosch’s Geschichten und die seinen.

Es gab Tage mit silberperlender Leichtigkeit im Sein, herzschreiendweit, Wellen zulassend aus Zärtlichkeit, widerspiegelnd die Seele streichelnd: Ausnahmeblicke, einbrennend schön … Und anderntags Sehnsucht nach Haut, Wärme, Zärtlichkeit, Gefühlen, Gemeinsamkeit. Stattdessen beziehungslose Distanz, mit Liebe auf der Strecke und Nähe unerwünscht …

In diesen Monaten überfielen sie dumpfe Schmerzen unbekannter Herkunft und Asthmaanfälle. Die Unfähigkeit, mit Intelligenz Gefühle zu regeln, trotz Ursachengründung Lösungen zu finden, weckten in ihr immer wieder Todessehnsucht. Davon ab hielt sie die Verantwortung für ihren Sohn.

Jahre zogen ins Land, ihre Haare ergrauten, die Asthmaanfälle wurden nächtens unerträglich, lebensbedrohlich. Sie bewohnten getrennte Räume im gemeinsamen Haus, liebten sich schmerzlich. Er ertrank seinen Kummer in Rotwein und Eifersuchtszenen wegen des Sohnes wurden zur Tagesregel, drängten sie immer weiter ab von ihm in die Beschützerolle gegenüber ihrem Sohn.

Zur Hallig reiste sie wegen des Asthmas jetzt oft alleine. In diesen Zeiten, wenn er zu Hause alleine mit dem Sohn blieb, verflog seine Eifersucht auf diesen: Vaterbär und kleiner Tiger genossen sehr die gemeinsame Zeit und er sprach stolz von SEINEM Sohn. Kehrte sie zurück, war alles beim alten und er war wieder eifersüchtig auf den kleinen Tiger.

Sie litten beide sehr, unfähig zueinander zu finden, trotz gesuchter Hilfe von außen. Unfähig aber auch, voneinander zu lassen. „Ich will mit Dir alt werden“, sagte er. „Und ich mit Dir leben“, sagte sie.

Immer wieder führten sie Diskussionen über seine nach seiner Meinung von ihr nicht genügend anerkannten Leistungen, gefolgt oder verbunden mit Eifersuchtszenen wegen des Sohnes und des Sohnvaters. Irgendwann stand sie wortlos auf und ging aus dem gemeinsamen Raum in ihren. Unabhängig voneinander nahmen sie ihre Ringe ab und sie seine Bilder: Sie wollte ihn nicht mehr in ihren Räumen, mit seinem intelligenten Kleingeist und der sprühenden Eifersucht.

Später brachte er ihr eine gelbe Rose, wie jede Woche, seit sie verheiratet waren. Für sie war das ein Ritual, die gelbe Rose als inhaltslose Geste. Überreicht mit Gesicht zu negativem Raum erstarrt und Geist gefangen in leerem Kopf, das Herz steinschwer im Hals. Da wußte sie, es ist Zeit zu gehen.

Die Scheidung reichte sie zu einem Zeitpunkt ein, wo sie sich noch immer liebten und jeder dem anderen wünschte, dass er glücklich wird. Er suchte sich eine neue Wohnung in der nahegelegenen Stadt, die er schon vor ihrem kennenlernen bewohnt hatte und in der er unterrichtete. Sie begann ein neues Leben im alten Haus, in dem sie bereits vorher mit ihrem Sohn gelebt hatte.

„Wir wollten alt werden zusammen und sind grau geworden“, schrieb er ihr. „Alleine irrt der Bär manchmal durch die Stadt, weg von Igeln, Muschka und in Gedanken bei Vernachlässigung notwendiger Gespräche. Immer jedoch mit bleiernder Müdigkeit. Sei es: Ein Neubeginn wird mühsamer als freundliche Unterstützung beim Fahren. Ich frier und wußte es immer, helfe selbst und zitt’re vor den Gutmeinenden, die nie hofften, wie wir.“

Ich kühle meinen Tag

„Geh’ nicht so schnell, ich kann nicht mehr. Es ist viel zu heiß, ich bin klatschnass geschwitzt“ hörte ich eine Frauenstimme heute Mittag in der Stadt hinter mir auf dem Gehweg. „Das kannst du jetzt noch hundert mal wiederholen, davon wird es auch nicht besser. Trink lieber Wasser“ antwortet eine Männerstimme. „Bist du bekloppt, dann schwitze ich ja noch mehr und ich muss dauernd auf die Toilette“ empört sich die Frauenstimme.

Dieses Argument gegen „mehr Wasser trinken“ höre ich immer wieder. Eigentlich weiß es jede und jeder, viele glauben auch, sie würden viel trinken und kommen, wenn sie es dann tatsächlich einmal nachmessen und über den Tag kontrollieren, auf erheblich weniger, als sie „gefühlt“ getrunken haben.

An Hitzetagen wie heute trinke ich bereits morgens vor dem Aufstehen ein Glas Wasser und achte darauf, dass ich bis mittags mindestens (abgemessene) 1,5 l getrunken habe. Und esse Salzstangen zu einer Obstmahlzeit.

Den Schweiß auf meiner Haut genieße ich und lenke ganz bewußt meine Wahrnehmung auf die Kühle, die dadurch verursacht wird – sowohl in meinem Arbeitsraum mit aktuell 26° C wie auch draußen, wo fast immer ein zumindest ganz leichter Wind weht.

Was ich auf keinen Fall mache: Über die Hitze reden und darüber, dass es ZU HEISS ist. Denn damit würde ich meine Aufmerksamkeit genau darauf richten, statt auf das angenehme Gefühl meiner körpereigenen Kühlung durch den leichten Schweißfilm.

Auf diese Weise fühle ich persönlich mich auch bei hohen Temperaturen sehr wohl. Und wenn meine Kleidung schweißnass ist: Die kühlt mich ebenfalls und trocknet in der warmen Luft ganz schnell 🙂

So vergehen die Tage und der Mond

Ja, ja, ich weiß: Ich bin einzigartig, jeder Tag – jede Minute – Sekunde ist einzigartig. Na und?

Ob ich dafür dankbar bin und das bewundere oder nicht: Die Sekunden, Minuten, Tage gehen rum. Ganz ohne mein Zutun.

Also warum bitte soll ich irgendetwas an meinem Leben ändern? Im Prinzip hab ich doch alles: Eine Wohnung, ein Auto, eine Arbeit, eine Familie, Freunde.

Klar, manchmal ist es schwierig und stressig besonders auf Arbeit und mit der Familie, die immer irgendwelche Erwartungen hat: Die Frau will das, was meistens mit Geldausgeben zu tun hat, die Kinder wollen was anders, was meistens auch nicht billiger ist und was ich will, danach fragt keiner.

Aber wenn das nicht wäre, wäre es doch verdammt langweilig. So gehen die Tage viel schneller rum, manchmal scheint die Zeit zu rasen.

Klar, auch meine Gesundheit spinnt öfters mal. Ich hab Rücken, den Nacken verspannt und immer mal Kopfschmerzen oder mir tun die Kniee weh oder meine Hüften und die Hand- und Fußgelenke schmerzen – immer schön im Wechsel oder manchmal auch alles auf einmal. Das find ich dann weniger prickelnd.

Der Orthopäde meint, das wären ganz normale Verschleißerscheinungen, schließlich wäre ich mit meinen 48 Jahren auch nicht mehr der Jüngste.

Klar ist das nicht schön. Aber auf der anderen Seite werde ich bedauert, wenn ich davon erzähle, das ist Balsam für meine Seele. Und ich brauch eine Menge von Dingen, die ich noch nie mochte, nicht mehr zu machen. Zum Beispiel den Müll runterbringen, denn ich kann mich mit meinem Rücken nicht bücken.

Klar und dann gibt es da noch die vielen Menschen, die mich nerven. Die Bekloppten auf der Straße und besonders die in ihren Protzautos, die Idioten in der Firma die sich Führungskräfte nennen dürfen, die Schnarchnasen von meinem Fußballverein, die ein Schweinegeld verdienen aber Scheißpässe spielen oder Elfmeter verschießen.

Aber auf der anderen Seite hält mich dieser Ärger wach und jung im Herzen. Denn solange ich mich noch aufrege weiß ich, dass ich lebe.

Am Anfang war das Wort

Sie hatte ja keine Ahnung, was es so alles gab. Woher auch: Katholisch erzogen mit Sex als Sünde, wenn ihm außerhalb von Kinderwunsch gefrönt wurde. Dieser Vorstellung entsprechend hatte sie sich für „den einen Mann“ aufgehoben, den geheiratet, ihm die Treue gehalten.

Er war 26 Jahre älter als sie, charmant und erfahren, was sie bei ihrer ersten Begegnung als 18jährige Jungfrau sehr schätzte. Nachdem sie vier Kinder geboren hatte, verlor er das körperliche Interesse an ihr. Sie fügte sich in ihre Rolle als Hausfrau, Mutter und Frau an seiner Seite, die ihm als erfolgreicher Unternehmer den Rücken frei hielt. Allerdings befreite sie sich im Laufe der Zeit aus den Fallstricken ihres Glaubens und erzog ihre Kinder tolerant und liberal.

Jetzt war ihr Mann nach 28 Jahren Ehe gestorben, ihre Söhne und Töchter erwachsen und sie begriff, dass sich ihr jetzt – mit 48 Jahren – die Chance bot, alles auf Anfang zu setzen und ein neues Leben zu beginnen.

Über einen Link, den sie zufällig beim nächtlichen Surfen im Internet fand, gelangte sie auf eine Sexplattform und meldete sich spontan an. Nickname finden und Passwort vergeben war einfach, danach wurde sie Schritt für Schritt angeleitet, um für sich ein Profil zu erstellen.

Der Anfang war leicht: Geburtsdatum zur Ermittlung des Alters wurde erfragt und Fragen nach Größe, Gewicht, Figur, Haarfarbe und –länge, Augenfarbe und all die Äußerlichkeiten. Auch ihre BH-Körbchengröße, wobei diese Plattform eine maximale Größe von H kannte; dabei gab es auch noch weiterführende Körbchen bis Größe M 🙂

Dann wurde es für sie ziemlich unbekannt: Ihre sexuellen Vorlieben wurden erfragt und es gab jede Menge Fachausdrücke in alphabetischer Reihenfolge, die ihr zum ersten Mal begegneten. Unter Analsex, Kuschelsex, Oralsex, Nyphoman und Poppen konnte sie sich etwas vorstellen. Aber was bitte verbarg sich hinter Bondage, Fisting, Gangbang, Polyamorie oder Squirting?

Sie fing an die Worte zu google – ah, so hieß das, das war das, interessant – ein breites Lächeln schönte ihre Lippen und sie fühlte sich zurückversetzt in ihre Schulzeit und den sogenannten Aufklärungstag in einem Kloster: Ein Mönch hatte ihr und ihren Mitschülerinnen seine Vorstellung von „Ehe“, „Vereinigung“, „Empfangen“, „Vertrauen“ und „Liebe zum Herrn“ vermittelt.

Am Anfang war das Wort. Am Ende auch. Allerdings damals mit großen Fragezeichen, die ihr niemand erklärte. Heute enträtselte sie die ihr fremden Begriffe mühelos am Computer und freute sich sehr, in diesem Zeitalter des vernetzten Wissens zu leben 🙂

Abenteuer

Woran denken Sie spontan, wenn Sie das Überschriftswort lesen? Und was glauben Sie, denken andere, die dieses Wort lesen? Ihr Mann zum Beispiel oder Ihre Frau, Ihre Tochter, Ihr Sohn, Ihr Kollege, Ihr Chef und so weiter.

Eigentlich ist ABENTEUER ein ganz neutrales Wort, dem wir erst durch unsere subjektive Wahrnehmung, unsere spontanen Gedanken und Gefühle, die persönlich-individuelle Bedeutung verleihen. Dabei hat jeder Mensch etwas anderes im Kopf, fühlt etwas anderes.

Beeinflussend wirkt immer auch der Kontext: Ohne Foto oder mit einem anderen wäre Ihr erster Gedanke ein anderer 🙂

Das gilt für das Wort ABENTEUER genauso wie für „alle“ Worte: Jeder hat etwas anderes im Kopf, denn jeder Mensch ist anders, einzigartig. Und Realität ist immer subjektiv und das, was wir persönlich durch die Brille unseres Urbewusstseins wahrnehmen.

Dessen sind wir uns jedoch selten bis nie bewußt. Ein Irrtum mit fatalen Folgen – in Beziehungen, Familien, Projekt-Teams oder Mannschaften genauso wie in Unternehmen, an der Börse, in der Politik.

WIE gravierend unterschiedlich Menschen denken, mache ich sichtbar mit meinem Limbionik®_Art_KunstKonzept Mann. Frau. Vielfalt. Passion.

Mein Tipp für den Alltag: FRAGEN, wie etwas gemeint ist, statt etwas anzunehmen und zu interpretieren. Das klärt und entspannt die Kommunikation 🙂

Liebe und so

Mit etwa 15 Monaten wurde sie krank. Gelbsucht.  In einem Krankenhausgitterbett wurde sie isoliert, ohne Begreifen. Endlose Wochen Verlassenheit folterten Körper und Seele, abgeschnitten von Liebe und vertrauten Personen. Sie wurde zur Bettnässerin, magerte ab, schrie, weinte, wurde still. Ihre Diät bestand aus geschmacksneutralem Festbrei, mit dem sie im Gitterbett gefüttert wurde. Ohne Chance, ihren ca. 80 x 120 cm messenden Käfig zu verlassen.

An Sonntagen wurde der Käfig auf den Balkon gerollt und sie betrachtete durch die Gitterstäbe die roten Sandsteinfelsen auf der gegenüberliegenden Flußseite. Grenzenlose Verlassenheit nistete sich ein in jeder Zelle ihres Ichs.

Als sie nach 6 Wochen zum ersten Mal in ihre Kleider gezogen und aus dem Gefängnis gebracht wurde, hatte sie Gehen und Stehen verlernt, strebte „Mammi, meine Mammi“ schreiend aus den tragenden Armen der Schwester zur Mutter, die neben dem Vater im Vorraum der Kinderklinik stand. Die Eltern weinten, genau wie sie selbst. Warum nur hatten ihre Mammi und Paps sie in das Gefängnis gesteckt? Weil der Kinderarzt die Isolierhaft angeordnet hatte, den Eltern jeden Besuch untersagte mit dem Hinweis auf „nur ihr Bestes“ wollen. So hatten die Eltern sie täglich hinter einer Spiegelwand stehend besucht, getrauert, den Verfall ihres Körpers erlebt und auf eigene Verantwortung ihre Entlassung erreicht.

Die Wunden dieser Folter in Isolierhaft verheilten erst im Erwachsenenalter. Bis dahin war über Jahrzehnte Verlustangst das beherrschende Thema. Erst ganz langsam lernte sie Schritt für Schritt sich selbst zu lieben, sich selbst anzunehmen und ihre innere Gefühlsleere zu füllen mit Selbstliebe. Es war ein langer und hürdenreicher Weg, bis ihre unstillbare Liebessehnsucht beendet war und sie ein Leben in Balance und lustvoll vergnügt und voll Liebe genießen konnte.

Wo ist das Problem?

In unserem Informationszeitalter wissen immer mehr Menschen was zu tun ist, immer weniger setzen es um.

Die größte Gefahr ist dabei die eigene Überschätzung: Wir sehen die Anzeichen bei anderen, bei uns selbst übersehen wir sie oder halten sie für vorübergehend, eine Ausnahme.

„Das ist doch nicht so schlimm“ ist ein Argument mit dem versucht wird, den Status quo so lange wie möglich zu erhalten. Störungen werden ignoriert. Bestenfalls kuriert man Symptome, behilft sich mit Flickschusterei. Schlimmstenfalls vertuscht man die Risiken oder greift im Extremfall zu betrügerischen Manipulationen.

Erst wenn nichts mehr geht, wir völlig aus dem Tritt geraten, der Leidensdruck unerträglich wird, sind wir zu wirklichen Kurskorrekturen bereit.

Und dann sind sich alle einig: Das hätte man doch sehen, da hätte man doch früher eingreifen müssen!

Machen Sie das: Verändern Sie bevor es notwendig wird. Inspizieren Sie regelmäßig „alles“, lassen Sie eine neutrale Person mit dem Blick von außen einen Blick drauf werfen. Seien Sie wirklich-wirklich ehrlich mit sich selbst. Und beheben Sie Chaos, Krisen, Störfälle direkt an der Wurzel!

Das spart Kraft, Zeit, Nerven und eine Menge Geld und lässt Sie um einiges entspannter den Alltag meistern 🙂