Stille Nacht

Seit neun Wochen ging das Mädchen zwei mal wöchentlich nachmittags zum Gitarrenunterricht. Am letzten Weihnachtsfest hatte sich der Vater gewünscht, dass sie Gitarre spielen lernt, um die nächsten Festtagsgesänge der Familie auf diesem Instrument zu begleiten. Das Mädchen wollte viel lieber Klavier spielen lernen. Die Mutter hatte ihr oft erzählt, dass in ihrem Elternhaus ein Klavier stand, auf dem ihre Mutter, die Grossmutter des Mädchens, und die älteren Geschwistern der Mutter gespielt haben.

An diesem Dienstag wollte sie nach dem Unterricht den Vater besuchen, der seit sechs Wochen im Krankenhaus lag und am Wochenende entlassen werden sollte. Gegen 18 Uhr betrag sie das Zimmer. Die Mutter sass wie jeden Tag strickend am Bett und hatte mit ihm gemeinsam Abendbrot gegessen. Für das Mädchen hatte der Vater ein Brot mit Käse aufgehoben, das sie mit großem Appetit aß. Sie erzählte von der Schule und dem Schulchor, in dem sie sehr gerne sang und der gerade für ein großes Fest Anfang April einige Lieder probte. Der Vater kannte die Lieder und stimmte sie mit seinem warmen Bariton  an. Sie stimmte ein, die Mutter übernahm die zweite Stimme und einige der Patienten und Besucher in dem Sechs-Bett-Krankenzimmer sangen teilweise mit. Der Vater fragte, ob sie schon ein Weihnachtslied auf der Gitarre spielen könne. Sie bejahte das, packte ihre Gitarre aus, begann mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ und alle im Raum sangen dieses Lied. 

Nach dem letzten Ton war es still. Der Vater weinte, einige im Raum wischten sich verstohlen Tränen aus den Augen. Dahinein platzte eine Krankenschwester, die die Besucher zum Gehen ermahnte, da die offizielle Besuchszeit schon seit einer Stunde vorbei war. 

Das Mädchen packte die Gitarre in die Schutzhülle, umarmte den Vater zum Abschied und kuschelte sich an ihn. „Papa, es ist so einsam ohne Dich, wann kommst Du nach Hause?“ fragte sie zum Abschied. Dem Vater liefen erneut Tränen über die Wangen. Er hielt sie ganz fest im Arm und sagte „Am Wochenende, mein Geißlein. Bis dahin musst noch Deine Mutter unterstützen und immer lieb und brav zu ihr sein. Denn du weisst ja, dass es ihr sonst nicht gut geht und sie krank wird.“ Das Mädchen versprach es. Beim Abschied weinte auch die Mutter. Sie verließ mit dem Mädchen das Zimmer, das Krankenhaus und zur Bushaltestelle. Das Mädchen hatte sich bei ihr eingehakt und fühlte sich ganz merkwürdig. Nur einmal hatte sie den Vater weinen sehen, als er letztes Jahr im Bett lag und zu ihr sagte „Geißlein, ich höre die Engel singen. Die singen so schön“ und sie sich „Papa, Papa, Du darfst nicht sterben“ schluchzend über ihn aufs Bett geworfen hatte. Damals hatte die Mutter mit dem Vater geschimpft und zu ihr gesagt, sie solle aufhören zu heulen, der Vater würde nicht sterben, er wäre lediglich betrunken. Aber heute war alles anders und auch die Mutter hatte geweint. 

Sie fuhren schweigend nach Hause und gingen gegen halb zehn ins Bett. Das Mädchen schlief in der Krankenhauszeit des Vaters in seinem Bett neben der Mutter, denn die war sehr ängstlich, litt unter Herzstörungen und konnte schlecht schlafen, wenn das Bett neben ihr leer war. 

Mitten in der Nacht klingelte es an der Haustür und schreckte sie aus dem Schlaf. Durch das Fenster war ein Blaulicht zu sehen. Die Mutter zog zitternd den gesteppten Morgenmantel über das Nachthemd, öffnete das Fenster und rief „Ja bitte“ in die Nacht. Der Polizist an der Haustüre sah nach oben und sagte „Bitte ziehen Sie sich an. Ihr Mann liegt im Sterben.“ 

Die Mutter weinte und zitterte so stark, dass sie nicht in der Lage war, sich anzuziehen. Das Mädchen zog zuerst sich selbst an, half dann der Mutter in die Kleider, nahm sie bei der Hand, griff nach dem Wohnungsschlüssel und verliess mit der Mutter zusammen die Wohnung und das Haus. Sie setzten sich auf die Rücksitze des Polizeiwagens. Die Uhr zeigte halb eins, als das Auto mit Blaulicht durch die nächtlichen Strassen der Stadt fuhr. 

Am Krankenhaus hielt der Wagen direkt vor dem Eingang und das Mädchen stieg aus. Die Mutter musste von ihr und einem Polizisten gestützt werden. Aus der Anmeldung kam eine Schwester, die sie über einen langen Flur führte, vorbei an dem Sechsbett-Zimmer ihres Vaters und dann eine Tür öffnete zu einem kleinen Zimmer mit nur einem Bett. In dem lag der Vater, direkt gegenüber der Tür und über Schläuche und Kabel an Apparate angeschlossen. Seine Augen waren geschlossen, seine Hände lagen auf der weissen Bettdecke. Links von seinem Kopf stand ein Monitor, auf dem eine Zickzacklinie zu sehen war. Davor saß eine Ärztin, die sich beim Eintritt des Mädchens und der Mutter von ihrem Drehhocker erhob und zwei Stühle an das Bett schob. Die Mutter sackte weinend auf dem Sitz neben der Ärztin zusammen. Die nahm sie in den Arm, rief flüsterte der neben ihr stehenden Schwester etwas zu, die verließ den Raum und kam kurz darauf mit einer Spritze zurück, die die Ärztin der Mutter verabreichte. Danach wurde die Mutter ruhiger, weinte nur noch leise und das Zittern, liess nach. 

Das Mädchen hatte sich auf den linken Stuhl gesetzt und die linke Hand des Vaters ergriffen. Die war kalt. Sie betrachtete das Gesicht des Vaters. Der Raum war still bis auf den Ton vom Monitor. Plötzlich sah das Mädchen, wie die Stirn des Vaters weiss wurde, sich diese Blässe über Augen, Nase, das ganze Gesicht verteilte. Gleichzeitig wurde der pulsierende Ton langsamer, unregelmässiger, überging in ein hohen Dauerton. Nach einer Weile schaltete die Ärztin das Gerät ab und sagte, dass der Vater gerade gestorben sei. Die Mutter warf sich schreiend auf den toten Vater. Das Mädchen sass wie betäubt auf ihrem Stuhl und hielt immer noch die Hand des Vaters. Dann sagte sie zur Ärztin: „Wir müssen meinen Bruder benachrichtigen. Der ist bei der Bundeswehr“. Die Ärztin fragte sie, ob sie sich das zutrauen würde, allein zur Anmeldung des Krankenhauses zu gehen und von dort ein Telegramm aufzugeben. Das bejahte das Mädchen, ging zur Pforte, nannte ihr Anliegen und die Adresse des Bruders, die sie von Briefen kannte und bat darum, sofort ein Telegramm mit dem Text „Vater tot bitte kommen“ aufzugeben. Dann ging sie zurück zum Sterbezimmer des Vaters. 

Der lag mit entspanntem Gesichtsausdruck in seinem Bett. Sie umarmte ihn ein letztes Mal, küsste ihn auf Wangen, Augen, Hände und versprach ihm erneut, auf die Mutter aufzupassen. Als sie sich von der Ärztin verabschiedeten sagte die der Mutter, sie solle es ein wenig auch als Glück betrachten. Denn wenn der Vater wieder aufgewacht wäre, hätte er den Rest seines Lebens gelähmt und als Pflegefall verbringen müssen. Als das Mädchen zusammen mit der Mutter gegen 4 Uhr morgens das Krankenhaus verließ war für sie ihre bis dahin behütete Kindheit zu Ende. 

Hundert Jahre Freundlichkeit

Annabel schaute sich die Hütte an und fand, sie war richtig gut geworden. Vor drei Tagen hatte Treves mit zwei Kumpels das acht Quadratmeter Tiney House auf diesem Grundstück direkt an der Mauer errichtet. Sie hatte die Vorgaben gemacht für den Innenausbau, um den Raum optimal zu nutzen. Zum Beispiel ein Klapptisch, der an der Wand befestigt war und der mit einem Handgriff zu einer großen Arbeitsplatte wurde, unter dem der Sarg verschwand. Später, wenn sie dauerhaft im Sarg liegen würde, könnte dann zum Beispiel ein zweiter Sarg auf der Tischplatte aufgestellt werden. Vielleicht wollte Treves ja dort mit ihr begraben sein. Der Gute.

Heute erwartete sie Herrn Zepter vom Bauamt, der die Abnahme machen sollte. Er hatte ihr eine ganze Liste von Auflagen gemailt, die sie gestern und heute abgearbeitet hatte. Manches allerdings auf kreative Art und Weise. Jetzt war sie gespannt, mit wieviel Richtlinientreue sich Herr Zepter ans Werk machen würde. Sie kannte ihn bisher nur vom Telefon. Seine Stimme klang jung … und er hatte sich zumindest auf ihre verrückte Idee mit dem Probewohnen eingelassen. Das sprach für ihn.

Still war’s über Mittag auf dem Friedhof. Gegen drei Uhr bog ein Mann mit gemächlichem Schritt auf den Weg, an dessen Ende Annabel im Türrahmen stand. Eine Sonnenbrille trug er und einen Bart, wenn sie das richtig erkannte und in der rechten Hand eine Mappe. Die Linke führte etwas Rauchendes zum Mund. Eine Zigarette oder ein Zigarillo. Beim Näherkommen lächelte er, als er sie in der Sonne stehen sah.

„Frau Schnabel?“ fragte er.

„Die bin ich“ lächelte Annabel.

„Schöner Platz, den Sie sich ausgesucht haben“.

„Das finde ich auch … und viel zu schön, um ihn nur tot zu genießen“ meinte Annabel und grinste.

„Na dann wollen wir mal schau’n, ob alles so seine Ordnung hat.“

Herr Zepter nahm eine Liste aus seiner Mappe, klemmte sich einen Stift hinters rechte Ohr, zückte ein Laser-Entfernungsmessgerät und betrat den Innenraum, nachdem Annabel den Türrahmen freigemacht hatte. Er schaute sich den Sarg sehr genau an, vermaß Länge, Breite, Höhe, begutachtete Scharniere und Beschläge, klopfe auf das Holz, strich mit der flachen Hand über die Oberfläche und griff zu seiner Liste.

„Der Sarg entspricht nur in einem Punkt der Norm, nämlich die glatte Oberfläche“ begann Herr Zepter. „Alles andere fällt aus dem Rahmen. Fangen wir mal mit den Maßen an. Die Höhe bewegt sich noch im Toleranzbereich, die ist also okay. Aber Breite und Länge übersteigen erheblich die Maße für einen Einzelsarg. Ihr Sargmaß benötigt eine Sondererlaubnis, die jedoch nur erteilt wird, wenn die zu bestattende Person mindestens 208 cm lang und mindestens 260 kg schwer wäre. Aber an diese Maße reichen Sie nicht heran, liebe Frau Schnabel.“

„Das ist doch mal wieder typisch deutsche Bürokratie. Die Sarggröße an die Körpergröße zu koppeln. Wieso wird im Tod keine Rücksicht darauf genommen, wie sich die Person zu Lebzeiten gebettet hat?“

„Ich habe die Gesetze nicht gemacht, aber ich denke, die Verfasser gingen davon aus, dass es einem Toten egal ist, wie er liegt.“

„Da waren die alten Ägypter aber anderer Meinung. Die haben dafür gesorgt, dass Verstorbene in ihrer neuen Welt den gewohnten Lebensstil weiterführen konnten.“

„Wir leben aber nicht im alten Ägypten, gnädige Frau“ versuchte Herr Zepter Annabel zu beschwichtigen.

„Das ist richtig. Aber wie soll ich auf Jugendherbergsniveau schlafen, wenn ich Kingsize gewöhnt bin? Und wie soll das funktionieren, wenn mich mein Liebhaber besucht? Zu zweit in so einer kleinen Holzkiste – das wollen sie mir doch wohl nicht wirklich zumuten!“

Herr Zepter blickte irritiert. „Tja, dann klappen Sie doch mal den Deckel auf und lassen mich schaun, wie es innen aussieht, ob zumindest da die Richtlinien eingehalten wurden“.

Annabel hob den Sargdeckel und befestigte ihn mit dem Haken an der Wand. Ein staunendes „Ahhhhhhhhh“ entfuhr Herrn Zepter, als er in ein kunterbuntes Farbenmeer aus gemalten Tulpen, Rosen und Mohnblumen blickte, das sich über Seitenwände und Bettwäsche ausbreitete. Ungläubig lächelnd fragte er „darf ich mich da einmal reinlegen?“

„Aber gerne, Herr Zepter“, lächelte Annabel zurück. „Darf ich sie zum Frühstück einladen?“

Jahresendzeit

Sein oder nicht sein

Ein Mann betritt das Museumsfoyer und geht umher. „Sie wollen die Ausstellung besuchen?“ „Nein“ „Wie kann ich Ihnen dann helfen?“ „Ich komme alleine zurecht.“ Einen Moment sprachlose Stille, die der Mann unterbricht. „Wieso quatschen Sie mich überhaupt an?“ „Weil das hier ein Museumsfoyer ist und kein öffentlicher Raum.“ „Das ist ja noch schöner, kann ich nicht mal irgendwo ungestört herumlaufen, ohne dass mich gleich jemand dumm von der Seite her anmacht?“ „Ich habe Sie … “ „Lassen Sie Ihr Gequatsche“ unterbricht der Mann im Rausgehen „Sie haben mir gar nichts zu sagen und brauchen mir auch nichts zu erklären.“

Das blaue Band

Nach Wochen im Paradies trat langsam Sättigung ein. Sie wollte endlich wieder auf inspirierenden Pfaden wandern, neue Lieblingsspiele ausprobieren, Zeit bewußt inszenieren. Mit diesen alternierenden Gedanken im Kopf setzte sie ihren Hut auf, packte Schirm und Wasserflasche in die grüne Ledertasche und ging auf Entdeckungstour.

Anfangs war sie solo unterwegs, atmete im Takt der Wellen tief die salzige Luft ein. Über ihr reckte sich ein wolkenloser Himmel im Reichtum der Blauwerte. Von rechts hinten hörte sie Gänsegeschnatter. Bei gefühlten 28°C probte sie unterschiedliche Schritte im Wechsel mit Hüpfen und sich im Kreis drehen. Pappeln fächerten leicht im Wind und Vögel konzertierten eine Begleitsinfonie. Später mischten sich dahinein die Stimmen von Menschen im Flaniermodus.

Das Licht war scheinwerfergrell und sie zog die Hutkrempe tiefer ins Gesicht. Blau soweit das Auge reichte. Am Horizont die Landzunge mit der Brücke. Wenn sie ihren bisherigen Kurs beibehielt, würde sie automatisch darauf zusteuern. Sie hielt an, sammelte sich. Wollte sie wirklich das Bekannte verlassen und eine Liaison beginnen mit einer unbekannten Welt? Eine Weile oszillierte dieser Gedanke in ihrem Kopf. Sie achtete auf seine Resonanz, färbte ihn mit unterschiedlichen Emotionen ein, klopfte ihn am Ende ab auf seine Tauglichkeit.

Irgendwann fällte sie eine Entscheidung und ihr Entschluss manifestierte sich in ihrer Haltung. Sie trank zwölf tiefe Schlucke aus der Wasserflasche, zog den Schirm aus der Tasche, spannte ihn auf und bewegte sich mit energisch leichtem Schritt weiter Richtung Landende. Aufmerksam beobachtet wurde sie von den bis dahin ziellos umherschlendernden Menschen. Sobald sie die Brücke erreichte, lenkte der Erste zögernd seinen Schritt in ihre Richtung, dann ein Zweiter, Dritter, Vierter… Fast schien es, als wäre sie durch Hut und Schirm zur Reiseführerin mutiert die ganz genau weiß, wo’s lang geht. Dabei war sie im Grunde genauso ahnungslos wie alle anderen, hatte sich lediglich für etwas entschieden und steuerte das mit entschlossener Haltung zielgerichtet an. Davon jedoch ahnte niemand etwas, das wußte sie nur ganz allein. Mit einem lustvoll vergnügten Lächeln nahm sie die ihr zugedachte Führungsrolle an. Die anderen folgten ihr.

Luxus

Sturzbetrunken auf dem Kopfsteinpflaster
Heldenreise in die Einsamkeit
Lustvolles Vergnügen
Sattheit
Zufriedenheit
Überfluss
Klangfülle
Schlafen.

Herbsttanz

Ein langer Rüssel stand wie ein drittes Bein von ihm ab, gehalten von seinen Händen. Auf dem Rücken trug er einen Rucksack und auf den Ohren Kopfhörer.

Er überquerte den Zebrastreifen und betrat den Gehweg entlang des Gartens, in dem die Bäume ihre schütter belaubten Äste über die Mauer streckten wie die Finger an der Hand eines Riesen.

Ganz langsam begann er mit einem Lächeln im Gesicht den Tanz, indem er seinen Rüssel mit beiden Händen rhythmisch immer wieder in Richtung laubbedeckter Erde reckte, ihn durch das bunte Herbstlaub führte, um dann auf die wild aufwirbelnden Blätter zu zielen. So, als wolle er jedes einzelne von ihnen zum Tanz auffordern oder zumindest an eine andere Stelle bewegen als der, die das Blatt beim Fallen vom Baum eingenommen hatte.

Vergnügt bewegte er sich über den Gehweg, immer noch lächelnd. Ein fröhlicher Mann mittleren Alters, der auf moderne Weise seinen Traum von einem Elefantenrüssel mit Hilfe eines Laubbläsers auslebte.

Oktobermorgen

Auf meiner Morgenrunde über abgebrochene Ãste gestiegen, Wind befeuert unermüdlich Laubfall.

Mein Kastanienblättervorhang löchert sich, lückenweise beginnt der Blickkontakt zur Gegenüberwohnung.

Grammatik am Freitag

Wer macht sich da breit in ihrem Kopf? Sie widmet ihm ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Sieht dunkle Masse. Wie Hefeteig der sich ausdehnt, den Schädel mit einer Decke auskleidet. Als Schutzschicht? Gegen globale Hyperzeit und routiniertes Desinteresse?

Einer spukhaften Fernwirkung gleich nimmt sie holzig-rauchige Männchen wahr, die sich in den Teig stürzen. Sie gehen auf Vokabelpirsch und schwelgen in Worten, die sich in der Masse verstreut haben. Klopfen sie hemmungslos subjektiv ab auf ihre kraftstrotzende Eignung. Werten heiter-besonnen ihren temporären Klang. Fügen zusammen und komponieren ein herausragendes Kapitel. Mit spielerischer Fantasie und schnickschnackfreien Träumen.

Sie dürfen ihr nicht ausgehen, die Worte. Denn sonst weicht ihre Kraft und jede Krise droht sie wortlos zu überwältigen. Sie will nach Lust und Laune eine Liason eingehen, mit neuen Vokabeln. Denn was sie gelernt hat, trägt sie nicht mehr – so auf offener See – mit weit und breit keinem Land in Sicht.

Meine Grammatik des heutigen Tages

Mit einem Espresso in der Hand entführe ich mich in den Traum von vor meiner heutigen Zeit.

Gefühlssequenzen fließen in einem hemmungslosen Strom durch den Raum.

Der Absturz naht.