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So vergehen die Tage und der Mond

08/08/2015 - Texte

Ja, ja, ich weiß: Ich bin einzigartig, jeder Tag – jede Minute – Sekunde ist einzigartig. Na und?

Ob ich dafür dankbar bin und das bewundere oder nicht: Die Sekunden, Minuten, Tage gehen rum. Ganz ohne mein Zutun.

Also warum bitte soll ich irgendetwas an meinem Leben ändern? Im Prinzip hab ich doch alles: Eine Wohnung, ein Auto, eine Arbeit, eine Familie, Freunde.

Klar, manchmal ist es schwierig und stressig besonders auf Arbeit und mit der Familie, die immer irgendwelche Erwartungen hat: Die Frau will das, was meistens mit Geldausgeben zu tun hat, die Kinder wollen was anders, was meistens auch nicht billiger ist und was ich will, danach fragt keiner.

Aber wenn das nicht wäre, wäre es doch verdammt langweilig. So gehen die Tage viel schneller rum, manchmal scheint die Zeit zu rasen.

Klar, auch meine Gesundheit spinnt öfters mal. Ich hab Rücken, den Nacken verspannt und immer mal Kopfschmerzen oder mir tun die Kniee weh oder meine Hüften und die Hand- und Fußgelenke schmerzen – immer schön im Wechsel oder manchmal auch alles auf einmal. Das find ich dann weniger prickelnd.

Der Orthopäde meint, das wären ganz normale Verschleißerscheinungen, schließlich wäre ich mit meinen 48 Jahren auch nicht mehr der Jüngste.

Klar ist das nicht schön. Aber auf der anderen Seite werde ich bedauert, wenn ich davon erzähle, das ist Balsam für meine Seele. Und ich brauch eine Menge von Dingen, die ich noch nie mochte, nicht mehr zu machen. Zum Beispiel den Müll runterbringen, denn ich kann mich mit meinem Rücken nicht bücken.

Klar und dann gibt es da noch die vielen Menschen, die mich nerven. Die Bekloppten auf der Straße und besonders die in ihren Protzautos, die Idioten in der Firma die sich Führungskräfte nennen dürfen, die Schnarchnasen von meinem Fußballverein, die ein Schweinegeld verdienen aber Scheißpässe spielen oder Elfmeter verschießen.

Aber auf der anderen Seite hält mich dieser Ärger wach und jung im Herzen. Denn solange ich mich noch aufrege weiß ich, dass ich lebe.