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Zugfahrt nach Passau

10/07/2015 - Texte

Es ist Freitag und ich rolle per Zug ins Wochenende. Ruhe zufrieden in mir selbst und bin auf flirten eingestellt. Der gut aussehende Schaffner hat lange in meinem Abteil gestanden. Ich genieße die Abendsonne, das gleichmäßige Geräusch der Räder und mit dem Zug meinem Ziel entgegenzurollen.

Zum Abendessen setze ich mich an einen Tisch im fahrenden Restaurant. Vor mir ein weibliches Duo in einen Monolog vertrieft: „Sag mal, kennst du eigentlich Lourdes oder Fatima? Besser ist ja noch Campo la Bostella. Ich war ganz tapfer, hab’ sogar den Kreuzweg mitgemacht. Ja und was ich da alles gehört habe, da gab es zum Beispiel so einen Fall ……“. Die andere isst wortlos ihr Schnitzel, leert ihr Glas und giesst sich erneut aus der Rotweinflasche ein.

Links von mir sitzen drei Männer mit Bierflaschen, die sich Geschichten über die Folgen des Rauchens erzählen. Jeder kennt mindestens einen, der ein amputiertes Raucherbein hat oder Lungen- oder Kehlkopfkrebs. Am Ende meint einer „ich geh jetzt mal eine rauchen“. Die anderen schließen sich ihm an.

Der Zug gleitet durch Gärten und Obstplantagen, vorbei an alten Stadtmauern, Häusern, den Fluß entlang. Rote und gelbe Rosen säumen den Schienenweg. Ich reise, genieße und lasse mich verzaubern von der Intensität des Augenblicks.